Am 3. März 2026 fand das zweite Treffen des vom Umweltcluster Bayern geleiteten Fachforums „Marktzugang und Best Practices“ im Rahmen des CREATE-Netzwerks statt. Die online durchgeführte Veranstaltung knüpfte mit einem kurzen Rückblick an das erste Symposium an und widmete sich der Frage, unter welchen Bedingungen der Einsatz von biobasierten Materialen wie beispielsweise Biokunstoffen in Produkten erfolgreich ist und wie diese Produkte langfristig am Markt platziert werden können.
Im Mittelpunkt standen zwei Praxisbeispiele aus der Industrie. Marian Anton (MANN+HUMMEL GmbH) stellte die Nachhaltigkeitsstrategie der Marke MANN-FILTER vor. Er erläuterte, wie durch den Einsatz von natürlichem Lignin aus Holz als Imprägnierung für Filtermedien erdölbasierte Rohstoffe ersetzt und der CO₂-Fußabdruck reduziert werden konnten.

Abb. 1: Symbolbild zum Vortrag, KI-generiert
Anschließend präsentierte Clemens Sachse (edding International GmbH) die Entwicklung der umweltfreundlicheren „EcoLine“. Am Beispiel des Textmarkers edding 24 zeigte er, wie durch den kontinuierlichen Einsatz von Post-Consumer-Rezyklaten, Bio-PE und Holzfasern ein Produkt etabliert wurde, das innerhalb des Sortiments – auch dank des Umweltzeichens Blauer Engel - eine wichtige Stellung einnimmt.
Im Rahmen eines Werkstattmodus wurde eine strukturierte Analyse durchgeführt, bei der die beiden Praxisbeispiele anhand eines Rasters aus vier Leitfragen bewertet wurden. Durch dieses methodische Vorgehen konnten Faktoren untersucht werden, welche die Markteinführung biobasierter Kunststoffe beeinflussen. Es wurde deutlich, dass ökologische Merkmale allein meist nicht als Kaufargument genügen und idealerweise durch funktionale Vorteile wie eine bessere Haptik oder technische Mehrwerte ergänzt werden. Bei der Preisgestaltung wurden verschiedene Ansätze betrachtet, die entweder auf eine Positionierung im Premiumsegment oder auf eine interne Verrechnung von Mehrkosten setzen. Kommunikation sollte dabei auf Transparenz und Sachlichkeit basieren, um Vorbehalte gegenüber der Materialqualität zu verringern. Als relevante administrative Rahmenbedingungen wurden zudem Zertifizierungsverfahren sowie die rechtliche Absicherung gegen Vorwürfe des Greenwashings benannt.
Ein Thema der Runde außerhalb der Leitfragen war der Wunsch nach einer vereinfachten Einordnung der Nachhaltigkeit für Endverbraucher, vergleichbar mit Energieeffizienzklassen bei Haushaltsgeräten. Es wurde angemerkt, dass entsprechende regulatorische Entwürfe wie die Verordnung über die umweltgerechte Gestaltung nachhaltiger Produkte (ESPR) bereits in Arbeit sind, die Umsetzung aufgrund der Komplexität der Kriterien jedoch schwierig bleibt.
Ergänzt wurde das Programm durch Franziska Seehausen (Comat Studio), die einen „Call for Participation“ für einen geplanten Brand & Innovation-Sprint vorstellte. Das Format richtet sich an Akteure, die Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen mit Erklärungsbedarf gezielt weiterentwickeln und am Markt positionieren möchten. Weitere Informationen finden Sie unten.
Zum Abschluss wurde ein Ausblick auf die nächsten Aktivitäten gegeben. Das 3. Fachforum zum Thema „Abbaubarkeit von Biokunststoffen“ findet am 21. April 2026 als Präsenzveranstaltung bei der WEIMAKO GmbH in Peißenberg statt. Weitere Informationen finden Sie hier.
Call for participation
Für unser Fachforum im Herbst 2026 zum Thema Nachhaltigkeitsmarketing suchen wir Unternehmen, die Interesse daran haben, ihren Praxis-Case im Vorfeld gemeinsam mit Expert:innen zu reflektieren und im Rahmen des Fachforums fundiert analysieren zu lassen.
Gesucht werden Unternehmen, Start-ups oder Spin-offs, die sich mit dem Einsatz von Biopolymeren beschäftigen – zum Beispiel:
- mit einer ersten, noch offenen Idee zum Einsatz von Biopolymere
- die Biopolymere bereits getestet haben, jedoch intern – insbesondere im Marketing – noch keine ausreichende Überzeugungskraft erzielen konnten
- die bereits einen biobasierten Kunststoff oder ein Produkt mit Biopolymeranteil am Markt etabliert haben, deren Nachhaltigkeitsmarketing jedoch noch Weiterentwicklungspotenzial bietet
Ziel ist es, reale Herausforderungen und konkrete Fragestellungen praxisnah zu beleuchten und gemeinsam weiterzudenken. Interesse geweckt? Dann melden Sie sich gerne bis zum 30. April 2026 bei Christina Zegowitz.






